Aufsatz 
Rudolf Diesel und der Automobilmotor : ein Beitrag zur Geschichte des Fahrzeug-Diesels unter besonderer Berücksichtigung der Rolle Ludwig Lohners darin / von Paul Siebertz
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Paul Siebertz : Rudolf Diesel und der Automobilmotor.

Diesel hielt sich hier ziemlich genau an den Vorschlag, den er am 3. Juli 1903 in Bar-le-Duc vor dem Aufsichtsrat seiner Societe Francaise des Moteurs gemacht hatte — „Automobilmotoren zu konstruieren, deren Bauart unter jenen auszu­wählen wäre, von denen bekannt ist, daß sie schon in großer Zahl in Verwendung stehen“, und an solchen erprobten Bau formen das Dieselverfahren zur Anwendung zu bringen —: denn dieser erste Dieselfahrzeugmotor war in seinem Aufbau und in seinen Einzelheiten durchwegs dem normalen Benzinmotor jener Zeit nachgeformt. Freilich hob er sich schon durch die von der Kurbel­welle angetriebene zweistufige Luftpumpe, die ziemlich wuchtig links am Motorenblock saß, und durch eine Vierkolbenpumpe zur Beförderung des Brennstoffes von den um 1910 gebauten Benzinmotoren recht unvorteil­haft ab; für seine Leistung, am Versuchsstand 30 PS bei 800i;/Min., war das Ge­wicht unverhältnismäßig schwer.

Deshalb ist es begreiflich, daß auch dieser von Rudolf Diesel kon­struierte Fahrzeugmotor „nie in einen Wagen eingebaut worden ist“ — wie Diesel in vorgenannter Niederschrift selbst feststellt —, und daß außer dem einzigen Versuchsmotor keine weitere Maschine dieses Systems mehr gebaut worden ist 13 . Durch diesen letzten ergebnislosen Versuch Diesels war für alle einsichtigen Konstrukteure abschließend klar geworden, daß das Problem des Fahrzeug-Dieselmotors gelöst werden müsse, indem man die Einblasepumpe des „klassischen Diesel“ ausschalte.

13 Der von St. Georgen nach Diesels Entwürfen gebaute Versuchsmotor steht als „Umsteuerbarer Viertakt-Dieselmotor für Automobile“ im Deutschen Museum zu München.